Ingenieure wissen: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Wenn Unternehmen zusammenarbeiten, fallen immer wieder dieselben Schlagworte: Partnerschaft und Synergien. Leider sind das oft nur Lippenbekenntnisse – und das ist auch nur allzu menschlich: Denn wirklich an einem Strang zieht man erst dann, wenn man konkrete gemeinsame Ziele hat – und nicht jede Seite ihre eigenen Ziele verfolgt. Es muss klar sein, dass man in einer Zusammenarbeit zwar immer noch Höchstleistungen bringen muss, aber eben im Team und nicht mehr jeder für sich allein. Wenn Sie so wollen: Auch Anlagenbau ist ein Mannschaftssport.

Ingenieurdienstleistungen in der Kokerei-Branche

Erst einmal zur Ausgangsbasis: Paul Wurth ist international führend in Technologien zur Eisen- und Stahlerzeugung; ihre italienische Tochtergesellschaft in Genua ist spezialisiert auf die Realisation schlüsselfertiger Großprojekte für den Bau integrierter Anlagen und die nötigen Ingenieur- und Bauüberwachungsleistungen im Bereich Hochöfen, Kokerei und Eisenerz-Direktreduktionsanlagen. Wir planen Überarbeitungen und Revitalisierung von Anlagen, erstellen Profitabilitätsstudien und bieten unseren Kunden Projektmanagement sowie Produktions- und Qualitätskontrolle. Mit diesem kompletten Portfolio sind wir ein global führender Anbieter mit den höchsten Standards in Bezug auf operationale Effizienz, nachhaltige Produktion und Umweltbewusstsein.

DMT in Essen wiederum ist ein langjährig erfahrener Ingenieurdienstleister in den Bereichen Anlagenbau und Verfahrenstechnik, Bauwesen und Infrastruktur, Öl und Gas sowie Bergbau. Ein besonderer Schwerpunkt von DMT ist die Kokereitechnik, insbesondere bei der Reinigung und Verwertung von Koksofengas und der Prozessoptimierung in Nebengewinnungsanlagen. Hier werden modernste Tools zur Prozesssimulation genutzt: Mit selbst entwickelten Prozessmodellen werden die thermisch-chemischen Prozesse in einer Gasreinigungsanlage exakt dargestellt und simuliert. Die Programme sind mit empirischen Daten aus realen Prozessbedingungen validiert und leisten Unterstützung bei der Auslegung und Planung von neuen Gasreinigungsanlagen. Auch in bestehenden Anlagen kann so schnell Optimierungspotenzial identifiziert werden.

Von Wettbewerbern zu Partnern

Am Beginn unserer Zusammenarbeit stand eine Idee: Gemeinsam sind wir stärker. Paul Wurth war früher nur auf der „black side“ tätig, also in der Herstellung und Verarbeitung von Koks, mit dem Know-how, große Projekte zu stemmen und zu bauen. DMT kannte sich mit der „white side“ aus, also mit der Reinigung des wertvollen Kokereigases – hatte aber zu geringe Kapazitäten, um im Gesamtmarkt mitzuspielen. Nachdem wir uns häufiger im Wettbewerb begegneten, stellten wir fest, dass sich die Kompetenzen der beiden Firmen ideal ergänzen könnten. Dass daraus dann wirklich eine intensive Zusammenarbeit wurde, verdanken wir auch dem persönlichen Einsatz von drei Topmanagern: Dr. Manfred Kaiser (DMT), seinem Nachfolger Dr. Frank Sowa und Dr. Thomas Hansmann (Paul Wurth). Denn nur durch Beharrlichkeit, Konsequenz und die ständige Orientierung am gemeinsamen Ziel kann man alle Hürden überwinden. Die gibt es natürlich zwischen zwei Unternehmen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und bei gewachsenen Unternehmenskulturen. Aber wir hatten einen Vorteil: Neben Italienisch und Deutsch (und vielen anderen Sprachen im Team) haben wir als Ingenieure immer auch eine gemeinsame Sprache: Technisch. Denn nichts schafft schneller Verständnis und Verbindungen als die gemeinsame Lösung eines technischen Problems. Letztendlich ist es, wie so oft, ein „people’s business“.

Teamwork kann es auch zwischen Unternehmen geben: Dr Frank Sowa (DMT) und Antonio Esposito (Paul Wurth Italia)

Gemeinsame internationale Projekte

Wir stammen nicht nur aus verschiedenen Ländern, wir arbeiten auch in der ganzen Welt mit Kunden und Partnern: Erste Projekte entstanden in Indien, Indonesien und Brasilien, inzwischen folgten Südafrika, Kasachstan und Spanien. Das Thema ist komplex, der Markt ist komplex, es gibt starke Konkurrenz durch internationale Großkonzerne – aber nach 13 Jahren haben wir eben auch viel Erfahrung.

Nehmen wir als Beispiel unser Projekt in Vanderbijlpark, Provinz Gauteng, Südafrika. Es ging um die Überarbeitung einer Kokerei-Nebengewinnungsanlage, die schon von DMT entworfen worden war. Also um Ingenieurdienstleistungen und Einkauf, aber keine eigentliche Konstruktion. Der Kunde und seine Projektabteilung haben hier selbst große technische Erfahrung. In einer solchen dreiseitigen Konstellation hat man zwar mehr handelnde Personen – was es manchmal etwas aufwendiger macht –, aber man nutzt eben auch ideal die unterschiedlichen Kompetenzen: Jeder trägt bei, was er am besten kann.

Oder auch unser gemeinsames Projekt in Gijon, Spanien: Hier arbeiten wir wirklich Hand in Hand: „black side“ und „white side“, Paul Wurth und DMT. Es geht um die Modernisierung einer existierenden Fabrik für den weltgrößten Stahlproduzenten, und wir unterstützen jeweils mit Teilen der Ingenieurdienstleistung, des Einkaufs und eben auch bei der Konstruktion. Wir wurden gemeinsam beauftragt mit dem Engineering, mit der Lieferung von Schlüsselequipment sowie mit der Überwachung von Montage und Inbetriebnahme für den Umbau von zwei Koksofenbatterien. Darüber hinaus betrifft uns die Modernisierung der angrenzenden Nebengewinnungsanlage und der zugehörigen Abwasseraufbereitungsanlagen. Ziel ist hier natürlich auch die Einhaltung strenger Umweltauflagen durch Entschwefelung.

Kunden profitieren von kombinierter Erfahrung

Antonio Esposito, Vice President, Head of Business Unit Coke, Paul Wurth Italia S.p.A.

Seit 2006 kooperieren Paul Wurth und DMT und können den Kunden heute alles aus einer Hand anbieten: von Beratung bis hin zu Planung, Bau und schlüsselfertiger Übergabe kompletter Kokereien. Die Zusammenarbeit wird natürlich mit jedem Projekt immer besser, weil wir dadurch ein immenses Know-how sammeln, das andere Anbieter immer wieder neu generieren müssen.

Natürlich ist in jedem Projekt auch ein signifikanter Anteil an persönlichen Meetings in der echten Welt enthalten, aber inzwischen sind wir so versiert in den Inhalten, dass vieles eben auch einfach per E-Mail oder bei Skype-Konferenzen besprochen werden kann. Und heute können wir gemeinsam in Echtzeit von verschiedenen Orten aus auf einem gemeinsamen Server arbeiten: Das 3-D-Modelling war da ein echter Fortschritt: Visualisierung ist eine hervorragende Grundlage für die gemeinsame Arbeit, die Projektsteuerung und, wenn nötig, die Problemlösung. Jetzt entwickeln wir gerade Werkzeuge, um R&I-Diagramme live in das 3-D-Modelling zu integrieren und so „All-in-one-Informationen“ zur Verfügung stellen zu können. Dafür nutzen wir bestehende Softwarelösungen, die wir aber dann selbst noch für unsere Einsatzzwecke adaptieren. So macht uns die Digitalisierung nicht nur schneller und effizienter, sondern auch präziser: Es entstehen weniger Fehler oder Missverständnisse, weil alle das gleiche Bild vor sich haben. Aber auch das Menschliche kommt nicht zu kurz: Um die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis zu fördern, tauschen wir zum Beispiel Mitarbeiter aus, etwa junge Ingenieure, die mehrere Monate beim anderen Partner mitarbeiten. Denn ein „people’s business“ lebt nun mal von den „people“.


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