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Internationaler Überblick beim 7. Essener Fachgespräch Endlagerbergbau

Der aktuelle Stand zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Finnland und zur Sanierung kontaminierter Standorte in der Ukraine, das EURATOM-Forschungsprogramm sowie die laufenden Arbeiten für die Inbetriebnahme des Endlagers Konrad standen beim "7. Essener Fachgespräch Endlagerbergbau" am 1. März 2018 im Fokus.

Zum siebten Mal veranstaltete DMT GmbH & Co. KG das Fachgespräch Endlagerbergbau, welches auch in diesem Jahr regen Zuspruch von Spezialisten aus Industrie, Forschung und Behörden erhielt.

Einblicke in die Entwicklung des finnischen Endlagers

In Finnland wird weltweit das erste atomare Endlager für hochradioaktive Abfälle gebaut. Die Endlagerung beruht dabei auf einem Mehrbarrierensystem, dessen Entwurf, Entwicklung, Herstellung und Überwachung im Wesentlichen auf dem erfolgreichen Miteinander von wissenschaftlicher Forschung, sorgfältiger Entscheidungsfindung und der Einhaltung betrieblicher und behördlicher Anforderungen basiert.

Dr. Edgar Bohner, Leiter des Forschungsteams Infrastruktur & Gesundheit bei VTT, Finnland, stellte die Arbeiten für die Entwicklung des Mehrbarrierensystems vor und ging besonders auf den Bau und Schutz der Bentonitbarriere ein. Grundsätzlich seien laut Bohner die für die Erkundung und den Bau geologischer Endlager für hochradioaktive Stoffe erforderlichen Technologien vorhanden und verfügbar. Viele dieser Technologien stammen aus dem klassischen Baugewerbe oder dem Bergbau, müssen jedoch grundsätzlich für ihren Einsatz in der Endlagerung modifiziert und angepasst werden, um die extrem hohen Anforderungen an die Betriebs- und Langzeitsicherheit erfüllen zu können.

Auch in Finnland erfordert die atomare Endlagerung Vertrauensbildung. Diese ist ein kontinuierlicher und fortdauernder Prozess, der auf Transparenz und dem Willen, sich mit allen Beteiligten über Sicherheitskonzepte auszutauschen, beruht.

Sanierung kontaminierter Standorte in der Ukraine

Im Anschluss an das Unglück in Tschernobyl 1986 fielen auch in Landesteilen, die nicht zur so genannten Sperrzone rund um das havarierte Kernkraftwerk gehören, kontaminierte Abfälle aus Dekontaminationsmaßnahmen an. Diese wurden an rund 50 verschiedenen Standorten gesammelt und oberflächennah gelagert.

Carsten Scior, Projektleiter bei DMT, berichtete über das von der EU finanzierte Projekt zur Bewertung der Standorte und Planung zur Bergung dieser Abfälle inkl. der Beschaffung des erforderlichen Equipments. Gemeinsam mit den Partnern TÜV NORD EnSys, Brenk Systemplanung und Plejades wurde ein Ranking der betroffenen Standorte durchgeführt und ein Pilotstandort ausgewählt. Für diesen Standort wurde ein Sanierungskonzept erarbeitet und eine Sicherheitsbewertung durchgeführt. Da die Absicherung der meisten Standorte inzwischen mangelhaft bzw. nicht mehr vorhanden ist, wurde ergänzend eine Roadmap zur Sicherung der Standorte und zum Schutz der umliegenden Ortschaften erarbeitet und den zuständigen Behörden übermittelt.

Kontinuität in der EURATOM Forschung zur Endlagerung radioaktiver Abfälle

Einen Einblick in die Organisation der EU und der Unterstützung der Arbeiten im Bereich der Entsorgung radioaktiver Abfälle durch das Euratom-Forschungs- und Ausbildungsprogramm vermittelte Christophe Davies, Projektbeauftragter der Europäischen Kommission in der Generaldirektion „Research & Innovation“. Seit 1975 unterstützt die Euratom Forschungsaktivitäten zum Management und zur Endlagerung radioaktiver Abfälle. Während zunächst einzelne vergleichsweise kleine Projekte gefördert wurden sind die Netzwerke und Forschungsverbünde zunehmend größer und die Thematik komplexer geworden.

Das aktuelle Forschungsprogramm (2014-2018) zielt darauf ab, ein gemeinsames europäisches Forschungsprogramm der Mitgliedsstaaten zum Themenkomplex „Radioactive Waste Management“ zu initiieren. Dafür sind Fördergelder in Höhe von bis zu 32,5 Mio. EUR vorgesehen. Für das aktuelle „Workprogramme 2018“ können noch bis zum 27. September 2018 Anträge eingereicht werden.

Projektfortschritte zu verzeichnen

Dr. Thomas Lautsch, Technischer Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellte den aktuellen Stand der Umbauarbeiten des ehemaligen Eisenerzbergwerkes Konrad zum Endlager für nicht wärmeentwickelnde Abfälle dar. Eine besondere Herausforderung stelle die Qualifizierung der beiden Schächte für deren Nutzung in einem Endlagerbergwerk dar, bei gleichzeitiger Durchführung der untertätigen intensiven Aus-, Vor- und Herrichtungsarbeiten.

Am Schacht Konrad 1 erfolgen aktuell u. a. die Umbauarbeiten des Schachtkragens am nördlichen Trum. Die nächsten Arbeiten umfassen die Montage und Inbetriebnahme der Förderanlage nördliches Trum sowie die Erneuerung des Führungsgerüsts. Am Schacht Konrad 2 laufen die Umbauarbeiten zum Hauptschacht mit neuen Funktionalitäten, höheren Sicherheitsanforderungen hinsichtlich des Brandschutzes, der Erdbebensicherheit und Technik. Weiter erfolgen die Planungen für die Errichtung der übertägigen Anlagen. Hier ist in Anlehnung an das kerntechnische Regelwerk ein hoher Begutachtungs- und Genehmigungsaufwand erforderlich, um die Anlagen sicher in Betrieb nehmen zu können.

Unter Tage wird die Infrastruktur für den Endlagerbetrieb hergestellt mit der besonderen Herausforderung das neue Füllort 2. Sohle aus dem Schacht 2 heraus aufzufahren.

Einladung zum Fachgespräch Endlagerbergbau 2019

Für den 21. März 2019 lädt DMT zum „8. Essener Fachgespräch Endlagerbergbau“ ein – ein Termin, den sich viele Teilnehmer bereits fest notiert haben.

Kontakt und weitere Informationen:
Dr. Daniela Gutberlet
Tel +49 201 172-1552
daniela.gutberletdmt-group.LÖSCHEN.com

Download der Pressemitteilung Fachgespräch Endlagerbergbau (pdf)